Kapitel 07 · Ruhm & Erbe
Der Nobelpreis
Hier eine Quizfrage, die fast jeden ins Stolpern bringt: Wofür erhielt Albert Einstein den Nobelpreis? Die Antwort ist nicht die Relativitätstheorie. Es ist eine Geschichte von wissenschaftlicher Vorsicht, Zweifeln im Komitee und einem Versprechen, das während einer schmerzhaften Scheidung gegeben wurde.
„Für den Photoeffekt“
Einstein erhielt den Nobelpreis für Physik 1921 – verkündet 1922 – mit einer sehr genauen Begründung: „für seine Verdienste um die theoretische Physik, besonders für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts.“
Von der Relativität keine Rede. Anfang der 1920er war Einsteins Name zwar gleichbedeutend mit der Relativitätstheorie, doch war sie noch umstritten. Manche im Nobelkomitee – vor allem der Augenarzt Allvar Gullstrand – bezweifelten, dass sich ihre Effekte überhaupt messen ließen, und die Mitteilung zum Preis stellte die Relativität ausdrücklich zurück, bis sie bestätigt wäre. Das Komitee wählte den sicheren Weg: Es ehrte stattdessen seine grundsolide Arbeit von 1905 zum Photoeffekt.
Ein Preis, den er nicht abholte
Als die Mitteilung kam, war Einstein auf einem Schiff nach Japan, mitten auf einer langen Vortragsreise. Die Zeremonie im Dezember 1922 in Stockholm verpasste er ganz. Der deutsche Gesandte in Stockholm, Rudolf Nadolny, nahm den Preis stellvertretend entgegen. Seinen Nobelvortrag hielt er schließlich 1923 in Göteborg – und sprach, Rebell, der er war, nicht über den Photoeffekt, sondern über die Relativität.
Ein Preis aus dem falschen Grund – und genau dem richtigen
Darin liegt eine schöne Ironie. Das Komitee wählte den Photoeffekt, weil er sicherer schien als die Relativität. Doch diese „sichere“ Wahl ehrte genau die Arbeit, die die Quantenmechanik mitbegründete – jene Theorie, gegen die Einstein den Rest seines Lebens ankämpfte. Er gewann seinen Nobelpreis dafür, eine Tür geöffnet zu haben, durch die er nie gehen wollte.